Brave New Alps

Open Archive Franzensfeste

2008


 

Ein Projekt von Brave New Alps in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Franzensfeste im Rahmen von Manifesta 7 , der europäischen Biennale für zeitgenössische Kunst, die vom 19. Juli bis zum 02. November 2008 in Trentino-Südtirol stattfand.

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Das Dorf
Die Gemeinde Franzensfeste durchlebt einen Moment des Umbruchs: Die Aktivitäten, auf welchen die Wirtschaft und das Leben des Dorf wurzelte – Eisenbahn, Zoll, Pappenfabrik – existieren nicht mehr oder nur noch in sehr reduzierter Form und viele der bis in die 90-er Jahre belebten Häuser stehen heute leer. Das Fehlen von Arbeitsplätzen und das Vorhandensein sowohl von funktionslosen Wohn- als auch Arbeitsgebäuden lässt die Einwohner mit wenig Zuversicht in die Zukunft blicken.

Soziale Situation
In Südtirol ist Franzensfeste ein Paradebeispiel von Integration zwischen der deutschen und der italienischen Sprachgruppe. Dessen sind sich die Bewohner bewusst und leben diese Integration mit viel Selbstbewusstsein.
In den letzten Jahren ist der Anteil an nicht-Italienern im Dorf bedeutend angestiegen. Dies wird teilweise mit einigem Argwohn wahrgenommen und die Integration scheint in diesem Bereich nur zwischen Kindern und Jugendlichen reibungslos zu funktionieren.

Die Festung
Die Öffnung der Festung, welche sich bis 2005 unter der Leitung des italienischen Heeres befand, lässt (bei manchen) im Dorf Hoffnung auf einen neuen Aufschwung für das Dorf aufkommen, viele sehen die Festung jedoch noch als einen Fremdkörper, der außerhalb ihrer Identität liegt.

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Bild: Paolo Mazzi
 
Manifesta 7
Die Biennale ist die erste große Veranstaltung seit der Öffnung der Festung. Aus diesem Grund möchte Brave New Alps eine Brücke zwischen Manifesta 7, die in der Festung stattfindet, und den Einwohnern von Franzensfeste schlagen, damit die Veranstaltung auch im Dorf ihre Spuren permanent hinterlässt.


 

Das Projekt umfasste eine Reihe von Interventionen in Franzensfeste, die sich vorallem darum drehten wie die Einwohner ihr Dorf und ihre Gemeinschaft wahrnehmen.

Inhabitation
Vom 6. Juni bis zum 10. August lebten wir in Franzensfeste und arbeitet in der seit 10 Jahren unbenutzten „Tennis Bar“. Hierbei ging es uns darum, ein Gefühl für das Dorf zu kriegen und Kontakte zu den Einwohnern zu knüpfen. Im Garten unseres Studios veranstalteten wir ein Barbecue und ein „Boccia-Turnier“ zu den wir alle Einwohner herzlich eingeladen hatten.

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Sammeln von Erzählungen zum Dorf und Kinoabend
Von Juni bis Juli sammelten wir Geschichten zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Dorfes in Form von Video-Fragmenten. Diese Fragmente ergeben ein sozio-geographisches Mapping von Franzensfeste. Ausschnitte aus diesen Erzählungen wurden an einem Kinoabend Ende Juli im Dorf vorgeführt. Die Veranstaltung fand in einem der verlassenen Bahnhofsgebäude des Orts – der Tierrampe des Zolls – statt.
> das gesamte Video herunterladen (mpeg4, 640*480, 576MB)

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Der Ort der Veranstaltung, als er noch vom Zoll zur Untersuchung der über den Brennerpass transportierten Tiere benutzt wurde. Bild: Familie Moratelli
 

Die gezeigten Interviews

Unterau – im Faschismus vom Stausee verschluckt

Die ökonomische Zukunf des Dorfs

Der Durchzugsverkehr

Die Festung

Der Gasthof in Grasstein

Der Bahnzoll

Die Papierfabrik

Die Bahnarbeiter

Migration

Via Roma


 

Archivlabor
Das digitale Archiv des Projekts FORTEZZA OPEN ARCHIVE FRANZENSFESTE wurde im Laufe von Manifesta 7 von den Einwohnern mit Bildern, Erzählungen und Geschichten zum Dorf gefüllt werden. Das Archivlabor, in dem dieser Teil des Projekts stattfand, befand sich in der Festung.

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Zur Website des Archivs


 

Zukunftsszenarien
Durch einen 1½ tägigen Workshop am Samstag, den 9. August und Sonntag, den 10. August in der Festung, gaben wir den Einwohnern von Franzsensfeste die Möglichkeit, gemeinsam Szenarien für die Zukunft des Dorfes auszuarbeiten: Dabei sollten alle die Möglichkeit haben, einen Beitrag zu leisten, um große als auch weniger große Zukunftsszenarien entwickeln zu können. Leider war die Teilnahme am Workshop geringer als erhofft, es wurden jedoch trotzdem hervorragende Szenarien ausgearbeitet.
Am Ende des Workshops wurde allen Teilnehmern und der Gemeinde ein „Instant Buch“ überreicht, das alle erarbeiteten Ergebnisse und Vorschläge enthielt.

Wir möchten uns bei uns bei unserer Freunding Katherina Erlacher von der Alexander Langer Stifung bedanken, die uns bei dem Workshop unterstützt hat.

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