Brave New Alps

Laboratorio Campano

2010-2011

www.laboratoriocampano.org

Die Webseite inst momentan nur auf Italienisch. In Zukunft wird sie auch ins Deutsche übersetzt werden.

Jedes Jahr verschwindet in Italien eine kaum vorstellbare Menge an Industrieabfällen: 31 Millionen Tonnen waren es allein im Jahr 2006, dies entspricht in etwa der Menge an Hausmüll, die jährlich in Italien produziert wird. Die häufig toxischen Abfälle der Industrie werden von Kriminellen am Straßenrand verbrannt, im Boden vergraben, in Wasserläufe geschüttet, in illegalen Deponien angehäuft oder auf den landwirtschaftlichen Feldern verteilt. Dies erspart der italienischen Industrie das Geld für die reguläre Entsorgung ihrer Abfälle und füllt die Taschen der Öko-Mafia, die diesen illegalen Service anbietet.

Von allen Regionen Italiens wird Kampanien als Mülldeponie bevorzugt. Hier hat die illegale Ablagerung von Abfällen jeglicher Art eine ökologische und gesundheitliche Katastrophe provoziert, die schon seit über 20 Jahren andauert.

Die illegale Abfallentsorgung steht auch am Anfang des medial verbreiteten Müllnotstands in der Region, welcher seit 16 Jahren neben den ökologischen Schäden einen Sumpf von Spekulation, Korruption, Ausnahmegesetzten und institutioneller Trägheit bildet.

In Kampanien, aber nicht nur, sind der legale und der illegale Zyklus der Abfälle miteinander verstrickt. Die Grenze zwischen ihnen ist verschwommen, da manche Akteure in beiden Zyklen tätig sind und beide mit ihrem Versuch der Gewinnmaximierung der Umwelt als auch der Bevölkerung schaden. Die Müllgeschäfte scheinen der Devise des Camorra-Geständigen Nunzio Perella zu folgen: „La monnezza è oro – Abfall ist Gold.“

Laboratorio Campano führt in die Welt der Abfallentsorgung in Kampanien ein und zeigt auf, wie diese mit anderen Realitäten Italiens als auch der Welt verbunden ist. Sich dieser Thematik in Kampanien anzunehmen ist aufschlussreich, da die Region seit Jahrzehnten als experimentelles Zentrum der Abfallentsorgung dient und die hier erprobten Mechanismen exportiert werden.

Auf der Suche nach jenen Orten in der Region, die repräsentativ für diese Mechanismen sind, will Laboratorio Campano ein Instrument sein, das dem Beobachter hilft, die vielen Zahnräder der Müllmühle zu erkennen und zu interpretieren, aber auch um zu verstehen wer diese ölt, und warum.

Karte der über 5.200 potenziell verseuchten Gebiete Kampaniens. Quelle: ARPAC