intacta Ltd.
2006
Das Projekt besteht in der Planung einer Falschmeldung. Wir wollten die Bevölkerung Südtirols mit einer provokativen Nachricht erreichen, welche die Beziehung zwischen Erhaltung und Zerstörung der Natur durch die Tourismuswirtschaft in Frage stellt.
Was wäre wenn die letzten Gebiete unberührter Natur in den Alpen von 5m hohen Betonmauern umgeben würden?
Was wäre wenn der Zugang zu diesen Gebieten nur noch für die wohlhabenden Gäste der neu-gegründeten Tourismusgesellschaft intacta Ltd. – Alpine Nature Resorts offen stünde?
Was wäre wenn intacta Ltd. kurz vor der Errichtung der ersten “Insel intakter Natur” im südtirolerischen Naturschutzgebiet der Sarntaler Alpen stünde?
Der erste Teil des Projekts bestand darin, die fiktive Tourismusgesellschaft intacta Ltd. – Alpine Nature Resorts
zu errichten. Im zweiten Teil des Projekts wurde die Nachricht, dass intacta in Kürze in Südtirol den Bau eines Resorts beginne würde durch die lokalen Medien verbreitet.

intacta Ltd. – Alpine Nature Resorts
intacta umschließt die letzten Gebiete unberührter alpiner Natur mit 5m hohen Betonmauern und gewährt den Zugang zu diesen “Inseln intakter Natur” ausschließlich den wohlhabenden Gästen der Wellness-Hotels, die sich an den Grenzen dieser Gebiete befinden.
Das Erstellen der Philosophie der Gesellschaft, die Kreation eines passenden Erscheinungsbildes inklusive einer Website mit gültigen Kontaktdaten waren nötig, um intacta Ltd. so real werden zu lassen, dass auch nachbohrende Journalisten auf die Falschmeldung hereinfallen würden.

Die Vorbereitung der Falschmeldung
1. Die Website www.intacta.org 
Willkommen, Aktuelles, Über uns, Pressekit, Kontakt. Alle Inhalte der Website bewiesen die Existenz von intacta Ltd..
2. Publikation des Konzepts von intacta im Buch Un Erhört – Visionen des jungen Südtirols
Das Buch, herausgegeben von Thomas Kager und Angelika Burtscher im Raetia Verlag
, war die perfekte Gelegenheit um das Konzept von intacta zu publizieren und ihm dadurch mehr Konsistenz zu verleihen. Marco Eggerz, der imaginäre Gründer der Gesellschaft, wurde als Autor des Aufsatzes genannt und im Anhang wurde auch sein CV veröffentlicht.
3. Der Politiker Hans Heiss unterstützt intacta
Der Südtiroler Politiker Hans Heiss (Die Grünen) unterstützte das Projekt von Anfang an und spielte die Figur der Kontaktperson für intacta in der Region. Weiters publizierte er auf seiner persönlichen Website ein Lob auf das Konzept der Gesellschaft. Als Journalisten ihn kontaktierten, um die Existenz von intacta zu prüfen, bestätigte er diese.
4. Reale Kontaktadressen in Deutschland (Telefon, Fax, E-mail)
intacta hat seinen Sitz in München und die Postadresse gibt es wirklich. Die Telefonnummer mit der Münchner Vorwahl +89 wurde über einen VoIP-Anbieter aktiviert und wir konnten Anrufe über das Internet in Italien annehmen. Telefonnummer und physische Adresse der Gesellschaft wurden ins deutsche online Telefonbuch eingetragen.

Die Taktik für die Veröffentlichung der Falschmeldung
Sobald alle Elemente der Meldung ausgearbeitet waren, haben wir durch eine gut geplante Taktik die Medien davon überzeugen können, dass intacta Ltd. kurz vor der Realisierung des ersten Resorts in einem Südtiroler Naturschutzgebiet steht.
Um dies zu erreichen, setzten wir ein (gefälschtes) Fax von Marco Eggerz, dem angeblichen Gründer von intacta, an Christoph Engl, den Direktor der Südtriol Marketing Gesellschaft
, zusammen. In diesem Fax spricht Eggerz von geheimen Verhandlungen mit Südtiroler Politikern, in denen die Verwirklichung der ersten Betonumzäunung in der Region diskutiert wird. 12 Kopien dieses fiktiven Dokuments wurden von einem anonymen (und selbstverständlich nicht existierenden) Mitarbeiter von Südtirol Marketing an die lokale Presse weitergeleitet – begleitet von einem Protestbrief, der die geheimen Verhandlungen anklagt.

Die Falschmeldung ist glaubhaft
Die Neuigkeiten in Brief und Fax waren für die Journalisten alarmierend genug, um ihnen die Titelseite der Dolomiten (der mit einer Auflage von bis zu 77.000 Kopien und ungefähr 250.000 Lesern wichtigsten Zeitung der Region), sowie Artikel in weiteren Zeitungen, zu widmen.

Die Pressekonferenz
Eine Woche nach den ersten Artikeln in den Zeitungen, organisierten wir eine Pressekonferenz gemeinsam mit drei Tourismusexperten, die das Projekt unterstützten. In der Konferenz deckten wir die Falschmeldung auf und unterstrichen die kritische Botschaft hinter der Aktion.
Die uns unterstützenden Experten waren Hans Heiss, Duccio Canestrini, ein Tourismus-Anthropologe aus Trient sowie Paul Rösch, der Direktor des Touriseums in Meran.
Ein großes Dankeschön geht an unseren Freund Arni Eggerz, der die Konferenz moderierte.
Auf die Pressekonferenz folgten weitere Zeitungsartikel, sodass die Diskussion über einen Zeitraum von 2 Wochen stattfand.

Das Projekt entstand im akademischen Jahr 2005/2006 als Abschlussarbeit an der Fakultät für Design und Kunst an der Freien Universität Bozen. Betreut wurde es von Simone Krois und Kris Krois.



