Hotel Oush Grab
2008
Im Frühjahr 2008 wurden wir von Alessandro Petti, Sandi Hilal und Eyal Weizman nach Beit Sahour, nahe Bethlehem, eingeladen, um mit ihnen am Projekt Decolonizing Architecture
zu arbeiten.
Neben unseren Beiträgen zur Recherche und dem Design der Projekt-Website, haben wir auch in Oush Grab
eine Intervention gemacht. Oush Grab ist eine israelische Militärstation in der Westbank, die 2006 evakuiert wurde. Sie liegt im Gemeindegebiet von Beit Sahour und Decolonizing Architecture plant gemeinsam mit der Dorfverwaltung ihre Umwidmung in einen öffentlichen Park.
Vom 16. zum 17. Mai 2008, einen Tag nach der Feier des 60. Jahrestag seit der Gründung des israelischen States (von den Palästinensern als Naqba – Katastrophe – bezeichnet), wurde Oush Grab von einer Gruppe zionistischer Siedler kurz wiederbesetzt. Sie hatten vor auf diesem palästinensischem Gebiet, einen illegalen ‘outpost’ namens Shdema zu gründen. Vierzig von ihnen schafften es irgendwie, mit einem Bus bis nach Oush Grab zu fahren, wo sie einen der Betonbauten säuberten, ein Feuer anzündeten, feierten und den gesamten Komplex mit zionistischen Sprüchen besprühten sowie mit Fahnen versahen („The Land of Israel belongs to the Jews“ und so weiter).
Am Tag nach dieser illegalen Besetzung gingen wir gemeinsam mit Anne Gough und Jesse Long, die ebenfalls an dem Projekt Decolonizing Architecture arbeiteten, mit Farbeimer und Pinsel ausgerüstet nach Oush Grab. Zuerst entfernten wir die Flaggen, danach übermalten wir die rassistischen Sprühereien in weisser Farbe mit abstrakten geometrischen Formen, um ein neutrales Terrain herzustellen.
Daraufhin verwandelten wir eines der Gebäude in Hotel Oush Grab: Drei gemütliche Suiten, die drei großen Vertretern des gewaltlossen Widerstands gewidmet wurden, und von denen man eine wunderbare Aussicht auf die umliegende palästinensische Landschaft hat.
Mit dieser Aktion inizierten wir die sogenannte “Revolving door occupancy“, in der Internationale zusammen mit Palästinensern versuchen, durch Kreativität die Besetzungen der bewaffneten Siedler ad absurdum zu fürhen.
Für uns ist das gewaltloser Widerstand durch visuelle Mittel. Es ist eine Antwort und Stellungsnahme, die auf einem anderen Niveau agiert, da sie sich nicht auf die rassistischen Sprüche einlässt und versucht einen neuen, positiven Diskurs aufzubauen.
Den Rest der Geschichte könnt ihr auf Decolonizing Architecture
lesen.




